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Straßenbahn- und Bus-Fotosammlung

Stuttgarter Güterumgehungsbahn, oder: Elektrotriebwagen der DB

Wie die Bezeichnung "Güterumgehung" schon andeutet wird diese Strecke, die in Kornwestheim am Rangierbahnhof beginnt, einen Abzweig vom dortigen Personenbahnhof besitzt und in Untertürkheim in die Hauptbahn nach Ulm - Augsburg - München mündet hauptsächlich von Güterzügen befahren, die so den Kopfbahnhof in Stuttgart umgehen.
Aber dennoch gibt es auf dieser Strecke auch Personenverkehr, einerseits Fernzüge die den Stuttgarter Hbf nicht anfahren, wie z.B. früher einige Schlafwagenzüge und heute ein ICE-Sprinter, und andererseits etwas Nahverkehr mit seit langen Jahren 4 Zugpaaren am Tag, 2 morgens und zwei Abends. Der Nahverkehr diente in früheren Zeiten hauptsächlich den Mitarbeitern der Schuhfabrik Salamander in Kornwestheim, die so aus südlicher Richtung (Neckar-/Filstal) ohne den Umweg über Stuttgart zu ihren Arbeitsplätzen fahren konnten. Aus dieser Zeit stammt auch der Name "Schusterbahn" für diese Strecke. Die Schuhfabrik ist heute längst Geschichte, und damit verschwand auch die weiterführung der Züge teilweise von/bis Geislingen. Damals gab es keinen Zug, der "nur" die Strecke Kornwestheim - Untertürkheim gefahren ist. Heute dient die Strecke vor allem Mitarbeitern von Mercedes-Benz, die sich so aus Ludwigsburger Richtung den Umweg über den Hbf sparen können. Die Anzahl der Zugpaare (4) ist bis heute geblieben, aber alle Züge beginnen bzw. enden in Untertürkheim. Gefahren werden die Züge heute (zumindest nach Plan) alle mit Triebwagen der BR 426, ein "Durchschnittswert" aus den früher eingesetzten Baureihen 425 und 427, womit wir endlich beim Thema wären.

Aber vorher noch ein Blick auf das, was "ganz früher" hier eingesetzt wurde. Von der Elektrifizierung der Strecke an bis zu deren Abstellung 1978 waren hier ET 65 / 465 eingesetzt, leider habe ich aus dieser Zeit keine Bilder, die ich hier zeigen könnte. Daher muß ein Bild des damals nur zweiteiligen Museumstriebwagens 465 006 / 865 606 genügen, hier am 5.6.1984 - also noch in seiner Anfangszeit als DB-Museumsfahrzeug - mit Stuttgart-Freiberg und dem Neckar im Hintergrund.


1978 mit der Abstellung der 465 kamen die schon erwähnten Baureihen 425 und 427 auf die Strecke, vermutlich liefen auch noch 455-er. Der Einsatz war immer gut gemischt, mal fuhren eine Fahrplanperiode lang nur 425-er, in der nächsten nur 427-er, dann war es mal wieder gemischt. Zum Einsatzende dieser Triebwagen (September 1985) hin wurden formal die älteren 425 früher abgestellt und nur noch ein 5-tägiger Umlauf für die 427 erstellt, von denen aber auch nur noch 4 betriebsfähig waren. Für eine gute Mischung war also gesorgt ...
Anektode dazu am Rande: von Plochingen nach Tübingen gab es planmäßig eine Doppeltraktion 427-er, was auch gut funktionierte, solange beides 427-er waren. Trafen hier aber ein 425 (Schraubenkupplung) und ein 427 (Scharffenbergkupplung) zusammen, hatte man ein Problem. Es fuhren dann beide Zugteile im Blockabstand.

Hier verlässt 425 415-7 am 30.5.1983 den Haltepunkt Stuttgart-Zazenhausen in Richtung Untertürkheim.


425 102-1 / 825 002-9 / 425 402-5 am nebligen 1.3.1985 am ehemaligen Haltepunkt Zazenhausen als Lt nach Bietigheim.




Ehemalig - heutig? Hier am Bild mit dem 425 120-3 / 825 020-1 / 425 420-7 am 17.7.1985 als Nt 5273 Kornwestheim - Plochingen gut zu erklären: früher lag der Hp Zazenhausen zwischen beiden auf dem Bild sichtbaren Hauptsignalen, die kahle Fläche oberhalb der Führerstandsfenster des 425 war der Treppenzugang. Durch den Neubau des Viadukts im Bildhintergrund wurde die Strecke etwas verschwenkt (der neue Viadukt wurde neben dem alten gebaut), weswegen der Hp verlegt werden mußte. Er befindet sich heute unter der Brücke, von der aus dieses Foto aufgenommen wurde.


Wie gesagt, nicht nur 425 fuhren auf der Strecke, sondern auch die insgesamt 5 beschafften 427, die als Vorgänger der Baureihe 420 angesehen werden können.
427 401-5 / 827 001-9 / 427 101-1 am 1.6.1984 zwischen Kornwestheim und Zazenhausen:


427 402-3 / 827 002-7 / 427 102-9 am 28.9.1984 als Nt 5264 Geislingen - Kornwestheim bei der Einfahrt in den Hp Zazenhausen


Und die Gegenleistung Nt 5281 Kornwestheim - Göppingen mit 427 102-9 führend:


Derselbe Triebzug an derselben Stelle wie zwei Bilder vorher, aber am 14.1.1985 winterlich verschneit.


Vom 427 103-7 / 827 003-5 / 427 403-1 dieses Bild am 29.5.1984 im Tapachtal, mit dem Max-Eyth-See im Hintergrund. Der 103 hatte - im Gegensatz zu den 4 anderen Triebzügen - eine gelbe Kupplungsabdeckung, hier aber nur schwer zu erkennen.


427 105-2 / 827 005-0 / 427 405-6 an derselben Stelle wie im vorherigen Bild, aber aus vollkommen anderer Perspektive, 25.9.1984.


Derselbe Zug am 20.9.1985, in den letzten Einsatzwochen stehend, wieder am Hp Zazenhausen.


Für die Baureihe 427 bleiben dann noch zwei Bilder zu zeigen, hier eine Doppeltraktion bestehend aus 427 102-9 / 827 002-7 / 427 402-3 und 427 104-5 / 827 004-3 / 427 404-9 am Abend des 28.9.1985 in Plochingen als Nt 6279 Plochingen - Tübingen. Dieses war der letzte planmäßig mit einem 427 gefahrene Zug, anschließend wurden die letzten Fahrzeuge der Baureihen 427 und 425 (diente ja als Reserve für den 427) abgestellt.


Fotomäßig war die Baureihe 427 bei mir immer etwas ein Stiefkind, weil der ältere 425 ja mehr hermachte als das "moderne beige-blaue Zeug". Irgendwie schade, den rückblickend war auch der 427 etwas besonderes, gerade weil er den Übergang zwischen den Altbautriebwagen und der S-Bahn darstellte. Jedenfalls noch eine "richtige Eisenbahn" im Vergleich zur S-Bahn. Daher noch ein Abschiedsbild der Baureihe 427 aus dem Aw Stuttgart-Bad Cannstatt, auf dem bis auf das älteste Fahrzeug (465) irgendwie alle gezeigten Fahrzeuge (und der Ort) inzwischen zumindest in diesem Zustand inzwischen Geschichte sind: 420 863-3, 427 104-5, 465 006-5 und 491 001-4 am 10.7.1986. Womit wir auch den oben fehlenden 427 104 hätten...


Ein paar andere Triebwagenbilder hätte ich noch (äh, natürlich habe ich mehr Triebwagenbilder, aber ich meinte "jetzt eingescannt"), aber dazu verlassen wir jetzt bis auf eine Ausnahme die Güterumgehungsbahn, bleiben aber in Stuttgart:

Das Aw Stuttgart-Bad Cannstatt war damals das für ET und Reisezugwagen zuständige Aw der DB. Damit war es auch für die 403/404, 430 und 456 zuständig, und deren Probefahrten gingen nicht selten auch über die Güterumgehung. Von den 430 und 456 habe ich jetzt keine Bilder eingescannt, jetzt sind die 403/404 dran. Als Lufthansa-Airport-Express waren immer planmäßig zwei Triebzüge im Einsatz, bei drei vorhandenen. Musste also einer in's Aw wurde es eng. Also vermied man, daß ein ganzer Zug nach Cannstatt ging. Das kam zwar mal vor, wie hier mit 403 001-1 und 403 002-9 am 2.8.1985 in der Prüfhalle:
,

aber meistens war es doch nur ein einzelner Triebkopf. Hier 403 002-9 neben 420 798-1 in derselben Halle, knapp zwei Monate vorher am 9.6.1985.


"Wer anderen eine Grube gräbt", der muß damit rechnen, daß man daraus Fotos macht. Nochmal 403 002-9, diesmal aus ungewohnter Perspektive:


Nun, die 403 mussten auch vom Aw wieder weg kommen. Normalerweise kein Problem, aber wie war das oben? "meistens war es doch nur ein einzelner Triebkopf"? Jaaaa, hin ging das ja noch, einfach nur vorwsäärts ... Aber zursück? Eine Drehscheibe hatte das Aw nunmal nicht, also blieb nur eine Wendefahrt: vom Aw rsüückwsärts nach Stuttgart Hbf, von dort dann wieder vorwsäärts weiter. Das sah dann so aus (alle Bilder Stuttgart Hbf):

31.5.1985, 403 004-5 und 404 003-6. Erstaunliches Fahrzeug: trotz Gegenlichtaufnahme (siehe Schatten des Mastes) ist die Front vollständig ausgeleuchtet ;-) )


Und von hinten:


Oder am 3.8.1987 403 003-7 mit 404 003-6:


Man beachte das DB-Werbeplakat:




Und dann gab es ja da noch eine andere Variante: nur ein Mittelwagen muß in's Aw, und man hat gerade keinen Triebkopf frei. Geht auch: 110 202-9 mit einem unbekannten 404 am 9.10.1987 wieder am Hp Zazenhausen. Wie sich der 404 wohl fühlt, von einer 110 so ausgebremst zu werden ...?
Leider ist das Bild etwas unscharf, aber ich denke, es ist es trotzdem wert, hier gezeigt zu werden.


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